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-- Main.dada - 20 Jan 2006

XYZ LABILITY

by Daniel Grún

The exhibited work of the art group XYZ, consising of the Slovak experimental sculptors and visual artists Milan Tittel (1966) and Matej Gavula (1972) as members, could be possibly titled “lability“. The word “lability“ signifies an inconstant and variable state of matter. A collection of five wax sculptural pairs – five body motion studies, opens a new dimension of the XYZ coordinate system. The instalation Group Portrait – Triple Presence (2005), exhibited in Tranzit Workshops last year during the Multiplace – Festival of New Media in Bratislava, I consider to be the first step towards the present work. Let’s imagine the situation of someone enjoying to make small figures, multiplying them and potentially selling them on the market. One can say: what an interesting hobby! XYZ adopted this motif and used it under different circumstances. They created small figures in almost an exact similitude of their everyday- appearance as self-portraits.A photographic enlargement of the grouped figures about life-size made them appear as a kind of simulacrum refering to the problem of unlimited likeness. The artists’ self-portraits became representations of a cloned identity.

In the case of the present artwork we encounter renderings of body motion in paired wax figures which again are artists’ self-portraits. But what adds intensity to their odd look are their gestures recalling children’s movement- games and body exercises. These exercises used to be practised in Slovak kindergardens and basic schools to warm up the limbs and loosen up ones body. Children as well as adults used to call them “airplane“, “swallow“, “headstand“, “devil and goose“, “wheelbarrow“. Seeing these works we recognise body limitations, the possibility or impossibility of movement embodied in the precarious closeness of two male bodies. Although not having much to do with sculptures of ballet dancers by Edgar Degas, they recall an image of them contrasting to the image of graceful female body tension. Their take on it is rather clumsy and their dressed bodies move with difficulties. However, this sculptural rendering of body motion could stand for a model of close friendship.

Since 1998 Milan Tittel and Matej Gavula have been working together on common projects as art group XYZ. Their exhibitions are connected to an expanded notion of sculpture into space and sound installation, but on the other hand do not leave the sensibility of plastic form. It is remarkable that their artworks have something to do with shifting of gauge or bodyweight . This approach was applied also to the exhibition XYZ WAR (2001) in the art gallery Priestor for Contemporary Arts in Bratislava, where Milan Tittel plastically enlarged parts of his own skin and on the other hand weaponry like army tanks were scaled down. Comparably, Matej Gavula in his video Rising Man used hoisting device to visualise the weightlessness. For the exhibition Distance XYZ in Tranzit Workshops (mentioned above) he created aluminium cast water level floats from carps as objects for touching. Lightweight becomes heavy and reversely heavy changes to light.

Daniel Grún is living in Bratislava and working as an art critic and a lecturer at the Academy of Fine Arts and Design)

XYZ LABILITÄT

von Daniel Grún

Die ausgestellten Arbeiten der Kunstformation XYZ -group, bestehend aus den slowakischen experimentellen Bildhauern und bildenden Künstlern Milan Tittel (1966) und Matej Gavula (1972) könnten unter dem Begriff „Labilität“ zusammengefasst werden. Das Wort „Labilität“ beschreibt einen unbeständigen und potentiell variablen Zustand. Eine Kollektion von fünf Skulpturenpaaren in Wachs – fünf Bewegungsstudien eröffneten eine neue Dimension im XYZ Koordinatensystem. Ich betrachte die Installation Group portrait-Triple Presence (2005) ausgestellt in der Transit -Werkstatt–Galerie letztes Jahr im Rahmen des „multiplace-festival of new media“ in Bratislava als ersten Schritt zur zur gegenwärtigen Arbeit. Stellen wir uns jemanden vor, der gerne Plastikfiguren herstellt , sie vervielfältigt und sie potenziell zum Verkauf auf dem Markt anbietet. Man könnte sagen: Was für ein interessantes Hobby! XYZ adaptierten dieses Motiv und verwendeten es unter anderen Bedingungen. Sie kreierten kleine skulpturale Figürchen, detailgetreue und lebensechte Nachbildungen ihrer selbst als Selbstportraits. Eine auf ca. lebensgrösse kopierte fotografische Abbildung der Figurengruppe liess sie als eine Art Simulacrum erscheinen und setzte den Bezug zur Problematik ungehemmter identischer Reproduktion. Die Selbsportraits der Künstler wurden zu Repräsentationen geklonter Identität.

Bei den vorliegenden Kunstwerken treffen wir auf Abbildungen von Körperbewegungen zwischen Paaren von Wachsfiguren die wiederum Selbstportraits darstellen. Was jedoch noch an Intensität zu ihrem seltsamen Ausdruck addiert sind die Gesten, welche an Bewegungsspiele von Kindern und Übungen zur Körperertüchtigung erinnern. Diese Übungen wurden in slovakischen Kindergärten und Volksschulen eingesetzt um Gelenke aufzuwärmen oder die Körper aufzulockern. Kinder wie Erwachsene nannten sie „ Flugzeug“, „Schwalbe“, „Kopfstand“, „Teufel und Gans“, „Radspeichen“. Wenn wir diese Arbeiten betrachten, erkennen wir Körperbeschränkungen, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Bewegung verkörpert in der unsicheren Nähe zweier männlicher Körper. Auch wenn sie nicht viel zu tun haben mit den Darstellungen von Ballett Tänzerinnen durch Skulpturen von Edgar Degas so rufen sie doch die Erinnerung an sie wach durch den starken Kontrast zu diesem Bild graziler weiblicher Körperspannung. XYZ´s Ansatz ist eher unbeholfen und ihre bekleideten Körper bewegen sich nur mit Schwierigkeiten. Vielleicht kann diese skulpturale Abbildung von Körperbewegung als ein Modell naher Freundschaft interpretiert werden.

Seit 1998 arbeiten Milan Tittel und Matej Gavula zusammen an gemeinsamen Projekten unter dem Namen der Kunstgruppe XYZ. Ihre Ausstellungen sind verbunden mit dem Ansatz einer Erweiterung der Skulptur in den Raum und hin zu Klanginstallationen, ohne andererseits die Sensibilität gegenüber der plastischen Form zu verlieren. Eine bemerkenswerte Auffälligkeit ihrer Kunstwerke, ist die Tatsache, dass sie mit der Verschiebung von Mass(stäben) oder Körpergewicht zu tun haben. Dieser Ansatz kam auch in der Ausstellung XYZ WAR (2001) in der Galerie Priestor für zeitgenössische Kunst in Bratislava zur Anwendung , anlässlich derer Milan Tittel Teile seiner eigenen Haut plastisch vergrösserte während andererseits schwere Armee-Waffen wie Panzer verkleinert wurden. Im Vergleich dazu verwendete Matej Gavula in seinem Video Rising Man Hebewerkzeug um Gewichtslosigkeit zu visualisieren. Für die bereits erwähnte Ausstellung Distanz XYZ in der Transit Werkstatt Galerie schuf er aus Aluminium geformte Schwimm-Blasen von Karpfen zur Wasserhöhenregulierung- zum Anfassen. Aus leicht wird schwer und umgekehrt wird aus schwer leicht.

Daniel Grún

lebt in Bratislava wo er als Kunstkritiker arbeitet und an der Akademie für Bildende Kunst und Design unterrichtet

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