-- BilderWerfer? - 24 Aug 2006
URAUFFÜHRUNG / INSTALLATION
Bilderwerfer (A)
Chinese Whispers?
Im ?Mai 2006 realisierten Daniel Aschwanden und Peter Stamer in Peking das vierwöchige Stadtprojekt ‚Head Room’, das die Grenzlinie von privatem und öffentlichem Raum auslotete. Neben der Kuratierung einer Gesprächsreihe besuchten sie vom Wanderarbeiter bis Generalmanager sieben Pekinger und bauten deren Wohnungen in einer auf den Schultern tragbaren Box nach. In diesen Kopfraum lud der jeweilige Gastgeber abwechselnd je einen Gast zu einem privaten Gespräch mitten in Peking ein.
Sieben Boxen, Dokumentarvideos, Tonaufzeichnungen, Geschichten bilden nun den Ausgangspunkt für Environment und Performance von ‚Chinese Whispers’. Im Studio 2/ Tanzquartier Wien werden die Boxen zu einer fiktiven Pekinger Wohnung installiert, in welcher das kaum hörbare Geflüster der privaten Gespräche resoniert. Während sich in diesem Environment ein Imaginationsraum über das Fremde öffnet, verwandelt sich die Black Box der Halle G in einen öffentlichen (Er-)Wartungsraum für kulturelle Differenz. Chinese Whispers, englisch für ‚Stille Post’, spielt mit dem Missverständnis in der Kommunikation mit dem Anderen. Wer spricht hier chinesisch?
Daniel Aschwanden und Peter Stamer richten mitten auf der Bühne ein Soundstudio ein, in welchem sie live ein Hörspiel aufführen. Gemeinsam mit dem Tonbastler Oliver Stotz kreieren sie Tonbilder, die sie aus vorgefertigten Texten, Dialogen, Soundfiles und am Ort eingespielten Geräuschen wie auch im Moment improvisierten Gesprächen zu Narrationsflächen verschalten.
Ihre Geschichten und Erzählungen speisen sich sowohl aus eigenen Erfahrungen, die die beiden in ihren bisherigen Chinaprojekten sammeln konnten, als auch aus harten Daten oder Zeitungsmeldungen, die sie recherchiert haben. Zwischen diesen subjektiven Erfahrungen und objektiven Erzählungen tut sich ein Spielraum für Spekulationen auf, der die Bühne frei gibt für das Zukunftsgeflüster von China. Das Land, Projektionsfläche des Westens für wirtschaftliche Hoffnungen und kulturelle Ängste, sich selbst jedoch als kommende Supermacht visionierend, wird als Raum der Zukunft imaginiert und damit Fiktion: Chinese Whispers, eine Science Fiction Rhapsodie zweier Narr-atologen.
Die Suggestionskraft des Hörspiels, welches der Erzählung und Darstellung das Bild entzieht, setzt dabei auf die akustische Konzentration und Imaginationskraft. Entsprechend entstehen im Kopfraum, im Head Room des Zuschauers, jene Bilderwelten, die von der theatralen Darstellung bewusst unterlassen werden. Die Performance des Hörspiels verschiebt die Beziehung des Sichtbaren zum Imaginierten zugunsten des visuellen Vorstellungsvermögens und macht Körper sichtbar, die so nicht am (Hör-)Spieltisch sitzen, bringt ein Chinabild zur Aufführung, das das Publikum tatsächlich nur vom Hörensagen kennen lernt.
Konzept, Performance, Texte, Video: Daniel Aschwanden und Peter Stamer
Boxendesign: Stéphane Derveaux
Medienprogrammierung: Oliver Stotz
Produktionsleitung: Özlem Sümerol
Co-Produktion: Bilderwerfer, Tanzquartier Wien
Gefördert von: Stadt Wien MA7, Bundeskanzleramt:Kunst
In Zusammenarbeit mit: Theatre in Motion, DIAF 06 Beijing, Austrian cultural forum
weitere Unterstuetzung: Bild+Ton, Toxic Dreams